Die (Kurz-) Geschichte der Seifenkiste

Ach wie war'n in früh'ren Zeiten
uns're Bälger noch bescheiden:
Es schwoll ihr Brustkorb voller Stolz,
fanden sie ein Brett aus Holz.
An ein solches (das weiß jeder,
der nicht zu dämlich) passen Räder.
Am besten welche, die sich gleichen
und die bis zur Erde reichen.

War der Alte nicht zu doof,
konnte er dann auf dem Hof
bei drei bis siebzehn kleinen Bieren
einen Flitzer konstruieren.
Bestand das Ding den Test vom Elche,
kam um die scharfe Kurve, welche
sich um den Müllcontainer schlang
und lief das Bohnenkraut entlang:
Fertig war die Seifenkiste,
damit ging's dann auf die Piste,
die nach Möglichkeit recht steil
damit die Abfahrt affengeil.

Heute woll'n die Kinder lieber
ein Geschoss aus Glas und Fiber
und sind gar nicht sehr zufrieden
wenn ein Grat zurückgeblieben.
Glänzen muß der Lack, der schwarze
aus dem epoxyd'gen Harze,
wehe, wenn des Auges Sicht
nur ein kleines Staubkorn bricht.
Jeder Renner wird mit Fleiß
und mit Eimern voller Schweiß
und viel Farbe bunt verziert
sowie halbstündlich abgeschmiert
(natürlich nur, wenn niemand guckt,
denn eigentlich ist das verruckt).

Da wird gesägt, gehackt, geschliffen
und in die Vorspur eingegriffen,
denn ist der Profi gut erzogen,
hat er die Achsen vorgebogen
und die Lager leicht gelockert,
damit die Karre nicht so bockert.
Kommt auch die Nachspur nicht zu kurz,
ist die Bremse ziemlich schnurz,
und kriegt der Flitzer dann am Ende
hinterm Zielstrich nicht die Wende,
gibt's, um die Gaffer zu belohnen,
Verwirrung unter den Pylonen,
worauf alle heftig lachen
und sich in die Hosen machen.

Hei, wie freut's den Kistenbauer,
nur der Kleine, der hat Trauer.
Während er den Schrott sortiert,
geht Papa los und repariert.
Mit reichlich Kleister sind die Fetzen
in kurzer Zeit instandzusetzen.
Am Ende kriegt die Mondrakete
ein hübsches Kleid noch aus Tapete
mit Blümchen drauf oder Heidschnucken,
da ham die Leute was zu gucken.
So wird manch eckenhafter Brummi
im Geist zu dem Gefährt von Schummi.

Doch dieser war, und das ist bitter,
in vielen Fällen nicht mal Dritter.
Die meisten ernten nur als Dank
ein kleines Töpfchen für den Schrank.
Die Kleinen finden das ganz toll,
nur Papa ist sternhagelvoll
Er irritiert die Preisverleiher,
indem er aufstößt wie ein Reiher
und stört am Schluß das Schiedsgericht,
weil er unterm Tisch erbricht.

Nach überstandener Blamage
kommt alles in die Tiefgarage
und man tröstet sich, na klar,
dass man dabeigewesen war.



... ein weiteres Gedicht:

EIN GANZ NORMALER SONNTAG



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