Ein ganz normaler Sonntag
Ach wie ist’s im Bett gemütlich
In schwarzer Nacht, wenn alles friedlich!
Kein Vogel piepst, kein Baby schreit,
Beschützt von sanfter Dunkelheit
Füllt ein Traum den tiefen Schlummer,
Spült hinweg den Alltagskummer
Und legt sich wie ein schützend Dach
Über ihn. Doch nach und nach
Führt der Schlaf ihn aus der Tiefe
Und ihm scheint, dass man ihn riefe:
„Gleich halb vier, hör auf zu pennen,
Heut ist Seifenkistenrennen!“
Was die verdiente Ruhe stört,
Das findet er ganz unerhört
Und er steuert wie im Tran
Das Klo und dann die Dusche an.
Wobei völlig er vergisst,
Dass er noch im Pyjama ist
Und dass der Boiler, wie’s so geht,
Von gestern noch auf „kochend“ steht.
Schnell abgetupft die rote Haut
Und vor dem Spiegel aufgebaut:
Halb schlafend sieht er ein Gesicht,
Denkt: wer’n das? Den kennste nicht.
Doch schon ereilt ihn sein Geschick
Und wütend war der Alten Blick:
„Bummel nicht, komm in die Puschen,
Ich muss ja schließlich auch noch duschen!“
So zieht er grummelnd sich zurück
Und sucht im Kleiderschrank sein Glück.
Verwechselt glatt beim Undershirt,
Wo Arm und Kopf hineingehört
Und verfluchet die Klamotten
Weit weg zum Volk der Hottentotten.
Solln die doch, wenn im Kral sie lärmen
Sich an dem Doppelripp erwärmen!
Kaum ist er fertig angezogen,
Dröhnt es schon wieder, ungelogen:
„Mach dir für unterwegs ’ne Stulle,
Füll Kaffee in die Thermospulle,
Pack die Regenjacken ein,
Guck nicht so verschlafen drein,
Weck das Kind und mach ihm Beine,
Dass es Zähne putzt und Deine
Trägheit geht mir auf den Wecker,
Und hör auf mit dem Gemecker!
Dir würd’ es genauso stinken,
Müsstest du so früh dich schminken.
Auf der Autobahn wird er dann wach,
Und denkt über den Sinn des Lebens nach.
Was mach’ste bloß hier um diese Zeit?
Kein vernünftiger Mensch weit und breit,
Nur ein paar Irre mit Seifenkisten,
Die glauben, dass sie nach Pinneberg müssten.
Bloß damit das rekordgeile Pack
Noch ein paar Blechtöpfchen einsammeln mag?
Dafür steht er kurz nach Mitternacht auf?
Nun, Katastrophe, nimm Deinen Lauf,
Umkehr’n wär jetzt genauso ein Frust
Kurz vor der Abfahrt Ludwigslust.
Dann geht der Stress los: Kiste vom Dach,
Aufgebockt, Räder dran und danach
Schnell zur Abnahme, wobei er nicht checkt,
Dass er die Scheiben nicht eingesteckt.
Wieder zurück, die Dinger geholt.
Die Bremse ist einigermaßen besohlt.
Doch beim Gewicht, da kommt er ins Trudeln,
Denn seine Tochter, die liebt nun mal Nudeln.
Also die Bleiklötze rausgedreht,
Bis die Waage am Limit steht.
Die siegreiche Abfahrt scheint gesichert,
Hätt’ nur nicht im Hintergrund jemand gekichert.
Der erste Start schon ist famos:
Die Kleine gewinnt, der Abstand ist groß,
Gespannt wird auf die Zeit gelauert,
Doch der Mann im Ziel bedauert:
Es gab ein technisches Malheur,
Weil der Zeitmessingenieur
Wieder einmal viel zu spät
Die Eieruhr herumgedreht.
Zum Trost lässt man die beiden warten,
Dann dürfen sie noch einmal starten.
Das freut ihn, darf doch er sich mühen,
Die Kiste nochmal hochzuziehen.
Start um Start, er hört die Zeiten:
Manche sind mäßig, manche sind Pleiten.
Er tröstet sich: bestimmt hat das Kind
Wieder mal Pech mit dem Gegenwind.
Und wenn die Fahrt im Stroh mal endet,
War’s die Sonne, die geblendet,
Belügt er sich ganz unumwunden
Denn es regnet schon seit Stunden.
Endlich kommt die Mittagspause,
Er giert nach einer Hopfenbrause,
Doch Alkohol ist ihm verboten
Als Chauffeur von den Piloten.
So holt er sich ’ne Rostbratwurst
Und löscht mit Wasser seinen Durst.
Spürt kurz danach in seinem Bauch:
Die Wurst war schlecht, das Wasser auch.
Nie sah man, dass er so schnell rennt
Zu Dixis Etablissement,
Wo, weil nur eines davon da,
Er eine lange Schlange sah.
Dass es ihn jetzt so sehr pressiert,
Wär’ mit Schultheiß nicht passiert.
Nur schales Wasser aus der Dose
Mit Wurst geht meistens in die Hose.
Nach nur knapp dreieinhalb Stunden
Hat er die Krämpfe überwunden.
Die rasche Heilung find’t er toll
Und außerdem ist Dixi voll.
Obwohl er dort als Dauergast,
Hat er vom Rennen nichts verpasst.
Die Menschenmenge tobt und johlt,
Fast jeder Lauf wird wiederholt,
Weil’s mit den Zeiten nicht so klappt,
Dass niemals keiner eingeschnappt.
Und Schuld daran ist immer nur
Der Blödmann mit der Eieruhr.
Der Regen ist zum Glück vorüber
Und geht in Hagelschauer über.
Jeder stellt sich blitzschnell unter,
Nur er hat Pech, passt nicht mehr drunter.
Doch was den Nerv ihm wirklich tötet
Ist seine Frau, die lieblich flötet:
„Bist du denn vollends vernagelt?
Du siehst doch, wie es gerade hagelt!
Mach dich sofort auf die Socken,
Sorg, dass Kind und Kiste trocken!
Nimm die Plane und die Jacke!
Ich glaub, ich krieg noch mal ´ne Macke.“
Doch der Hagel, der geschauert,
Hat nicht lange angedauert.
Das Trommelfeuer ist inzwischen
Dem nächsten Regenguss gewichen.
Endlich, um halb fünf exakt
Wird das Finale abgesagt.
Damit man einen Sieger kürt,
Wird jetzt der Probelauf addiert.
In dem, wie wir schon lange wissen
Hat man sich richtig ange..strengt
Die Zeit war unter aller Sau
Der Gegenwind war Schuld. Genau.
Am Ende ist der kleine Held
Platziert im hint’ren Mittelfeld.
Darüber ist er grob erbost,
Doch wieder spendet Papa Trost:
„An andern Tagen, o gerechter
Himmel, wird’s bestimmt noch schlechter.“
Der Lohn ist dem Erfolg gemäß:
Ein hübsches kleines Blechgefäß.
Die Pappe, die man überreicht,
Ist schon vom Regen aufgeweicht,
Was man keinem mehr verübelt:
Das Ding wird eben aufgebügelt.
Nun wird die Kiste für den Sport
Präpariert zum Rücktransport.
Kaum sind die Räder abgebaut,
Sind alle nass bis auf die Haut.
Die Karre mit dem Leinengurt
Schnell auf dem Dach noch festgezurrt,
Doch wie es so ist, und so ist es meist:
Der Gurt ist spröde und er reißt.
Mit Wut im Bauch und klammen Pfoten
Behilft man sich mit Seemannsknoten,
Weil die, das muss man ihm schon lassen,
Am besten auch zum Wetter passen.
Nach gut zwei Stunden ist alles verstaut
(Die Scheiben nicht, die wurden geklaut),
Jetzt schnell gestartet, dann wird es gleich warm.
Zum Schlüssel bewegt sich der steife Arm.
Dreht ihn voll Hoffung, weil er gedacht,
Dass er am Morgen das Licht ausgemacht.
Hat er aber nicht und was wir jetzt hören,
Steht nicht im Duden, das kann ich wohl schwören.
Doch Hilfe kommt schnell: schon kurz nach halb neun
Parkt der ADAC vor ihm ein.
Das weitere kennt man, das geht auch ganz fix
Ab geht’s auf die Piste in Nullkommanix.
Was man nun kaum noch glauben mag:
Nichts passiert mehr an diesem Tag.
Die Straße ist frei, der Regen nur dünn,
Der Zeiger der Uhr schleicht auf Mitternacht hin.
Und wirklich: Punkt zwölf oder ganz kurz danach
Klappert es fürchterlich auf dem Dach.
Er hält und besieht sich die ganze Chose
Analysiert: die Knoten sind lose.
Das kriegt er hin, das wär’ doch gelacht!
Das Schicksal jedoch hat an ihn gedacht
Und schickt ihm dazu – welch grausamer Fluch
Einen gewaltigen Wolkenbruch.
Irgendwann in früher Stund
Sieht er aus Augen klein und rund
Von fern den heimatlichen Hafen.
Frau und Kind sind ausgeschlafen.
Er jedoch muss auch am Morgen
Erst noch für die Kiste sorgen,
Und damit er nicht so schwitzt,
Hat’s gedonnert und geblitzt.
Irgendwann war’s doch geschafft,
Und mit allerletzter Kraft
Kriecht er in sein warmes Bett.
Und denkt: `s war eigentlich ganz nett.
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